
Ricardo Montoya stammt aus Puerto Rico. Schon früh wusste er, wer er ist – und genau das machte sein Leben dort zunehmend unerträglich. Die Erwartungen seiner Familie, das konservative Umfeld und die ständige Angst vor Ablehnung und im schlimmsten Fall das Erleben von Hass und Gewalt ließen ihm schließlich nur eine Wahl: Er verließ seine Heimat und begann mit kaum mehr als einem Koffer ein neues Leben in Payne City.
Heute arbeitet Ricardo als Tanz- und Aerobiclehrer. Mit seiner offenen Art, seinem ansteckenden Lachen und seinem natürlichen Rhythmus begeistert er Menschen jeden Alters. Seine Kurse sind energiegeladen, lebensfroh und für viele Teilnehmer eine kleine Flucht aus dem grauen Alltag der Stadt.

Ricardo legt großen Wert auf sein Äußeres. Er trainiert regelmäßig, achtet auf seine Ernährung und ist fast immer geschniegelt unterwegs. Seine farbenfrohe Kleidung, die Goldkette und sein markanter Schnurrbart gehören ebenso zu seinem Erscheinungsbild wie seine hellblaue Vespa und der auffällig bunt lackierte Helm, mit dem man ihn schon von Weitem erkennt.
Doch hinter der disziplinierten Fassade steckt eine kleine Schwäche: Heißhunger. Nach besonders stressigen Tagen oder wenn ihn das Heimweh überkommt, verliert er gelegentlich jede Selbstbeherrschung und verputzt in kürzester Zeit Unmengen an Essen. Anschließend plagt ihn meist das schlechte Gewissen – spätestens am nächsten Morgen steht er dafür eine Stunde länger im Tanzstudio.

Obwohl Ricardo nach außen unbeschwert wirkt, weiß er sehr genau, wie es ist, ausgegrenzt zu werden. Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb er sich der Nachbarschaftswache angeschlossen hat. Für ihn geht es dabei nicht nur darum, Verbrechen zu verhindern, sondern auch darum, Menschen zu schützen, die sonst niemand beschützen würde. Er glaubt fest daran, dass eine Gemeinschaft nur dann funktioniert, wenn ihre Mitglieder füreinander einstehen.
Sein Optimismus macht ihn zu einem beliebten Mitglied der Gruppe. Ricardo versucht selbst in schwierigen Situationen, die Stimmung aufzulockern, verliert dabei aber nie den Blick für die Sorgen anderer. Hinter seinem Humor verbirgt sich ein Mann, der gelernt hat, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben – sondern trotz der Angst für das Richtige einzustehen.Viele Bewohner kennen Ricardo lediglich als exzentrischen Tanzlehrer mit der bunten Vespa. Nur wenige wissen, welche Vergangenheit er hinter sich gelassen hat und wie viel Kraft es ihn gekostet hat, in Payne City endlich ein Leben zu führen, in dem er einfach er selbst sein darf.
