
Die Wände von Martha Ellis‘ Garderobe sind nahezu vollständig mit vergilbten Zeitungsausschnitten bedeckt. Zwischen euphorischen Konzertkritiken und Schlagzeilen über ihre außergewöhnliche Stimme fallen vor allem jene Artikel ins Auge, deren Text mit schwarzem Edding sorgfältig geschwärzt wurde. Die verbliebenen Passagen lassen jedoch erahnen, was verborgen werden soll.
Mehrere Berichte deuten auf eine Zeit hin, in der Martha mit einer schweren Alkoholabhängigkeit zu kämpfen hatte. Boulevardzeitungen schlachteten jeden Rückschlag aus, spekulierten über abgesagte Auftritte und beschrieben sie als unberechenbaren Star am Rande des Absturzes. Andere Artikel greifen einen bis heute umstrittenen Vorfall auf: Nach einem ihrer Konzerte soll unter den Zuschauern eine regelrechte Massenhysterie ausgebrochen sein. Augenzeugen berichteten von panischen Reaktionen, Ohnmachten und Menschen, die behaupteten, während ihres Gesangs Visionen erlebt zu haben. Ob die Ereignisse auf übertriebene Presseberichte, kollektive Panik oder etwas Unerklärliches zurückzuführen sind, blieb nie endgültig geklärt.
Dass ausgerechnet diese Passagen geschwärzt wurden, wirkt weniger wie der Versuch, die Vergangenheit zu verbergen, sondern vielmehr wie eine ständige Erinnerung daran, welche Geschichten andere über Martha erzählen wollten – und welche sie selbst lieber für immer auslöschen würde.

Einer der vergilbten Zeitungsausschnitte sticht zwischen den vielen geschwärzten Artikeln besonders hervor. Er berichtet von einem Wohltätigkeitskonzert, bei dem Martha Ellis als Hauptattraktion auftrat. Die Veranstaltung wurde zu einem überwältigenden Erfolg und sammelte eine Rekordsumme für den guten Zweck – obwohl sie unter denkbar tragischen Umständen stattfinden musste.
Nur wenige Stunden vor Beginn war die Organisatorin des Abends, Tiffany Bencroft, völlig unerwartet an einem plötzlichen Herztod verstorben. Viele rechneten mit einer Absage, doch auf Wunsch der Familie und der beteiligten Hilfsorganisationen wurde die Benefizveranstaltung dennoch durchgeführt. Der Artikel beschreibt, wie Martha Ellis trotz der bedrückenden Stimmung auf die Bühne trat und mit einer außergewöhnlich emotionalen Darbietung das Publikum tief bewegte. Zahlreiche Besucher bezeichneten den Abend später als würdigen Abschied von Tiffany Bencroft und als eines der eindrucksvollsten Konzerte, die Martha jemals gegeben hatte.
Auffällig ist, dass auf diesem Zeitungsausschnitt – anders als bei vielen anderen – kaum etwas geschwärzt wurde. Lediglich ein kurzer Absatz über die ungeklärten Umstände von Tiffany Bencrofts überraschendem Tod wurde mit schwarzem Edding unkenntlich gemacht.
